Leopold Adlmaninger (71) aus Wels hat seinen Siedlerhausgarten zu einem Selbstversorgergarten umgerüstet. Wirklich jeder Quadratmeter ist genützt.
Leopold ist ein „Urgestein“ aus unserer Nachbarschaft.

Er ist (genau wie ich) in der Siedlung im Westen von Wels aufgewachsen, getroffen haben wir uns trotzdem recht spät. Aufgewachsen ist er ohne Vater (der ist früh gestorben), dann lernte er den Beruf des Kochs, mit üblicher Karriere (Erstklassehotel, Saisonhotels, Kreuzfahrtschiffe, Restaurants, Schülerheim) heiratete, Tochter, Trennung, und er blieb dann bis ins hohe Alter Single (der nichts anbrennen lässt, klar, gelernt ist gelernt).

Leopold ernährt sich seeehr gesund. Hier kredenzt er mir ein Getränk und lässt mich die Zusammensetzung raten. „Schmeckt wie dein üblicher Menstruationstee“ (er liebt eigenartige Kräutertees und Heißgetränke aus Schafgarbe, selbstgetrockneten Hagebutten, Himbeerblättern, Säften und speziellen bittergesunden Wildkräutern, an die man sich erst gewöhnen muss).

Genau erraten, aber diesmal mit frischem Biobier von einem Marktstand aus wasweißichwo gemischt. In direkter Linie stammt er von der Brauerei Adlmaninger ab, sein Vater füllte fremdgebrautes Bier ab und verkaufte es unter seinem Namen, aber die Brauerei starb mit dem Vater. Leopold treibt sich gern auf Märkten, Friedensfesten, bei Gesängen, improvisiertem Tanz, Tango Argentino, Pflanzlmärkten, Trommlereien und so Veranstaltungen herum, verkauft dies und das (Trommeln, Gongs, Gemüse, gesünder machende Nahrungsergänzungsmittel) und bringt aber auch von überall was Erlesenes oder Geheimnisvolles mit.

Alles hat eine Bedeutung, auch wie er seine Sammelstücke legt oder drapiert.

Vielleicht geht das Ganze irgendwie in Richtung animalischer moderner Schamanismus? Ständig auf der Suche. Gepaart mit Künstlerischem und Eigenbrötlerei.


Leopolds Gemüsegarten funktioniert. Wo andere eine große Liegewiese hinterm Haus haben, hat Leopold Hochbeete. 14 verschiedene, meint er, mindestens 25 könnten es sein, meine ich. Aber weil sie im völlig im Gemüseurwald verschwinden würd‘ ich erst im Winter nachzählen kommen. Er hat alles was es an Gemüse gibt (und gut schmeckt) schon einmal angebaut und er probiert gerne Neues aus.





Natürlich geht das nur mit umfangreicher Kompostwirtschaft in unterschiedlichen Reifegraden, gehäckselt, gesiebt, umgesetzt, besprengt, fermentiert, aufbereitet.


In selbstgezimmerten Frühbeeten, Folienhäusern, Glashäusern treibt er Salat und Jungpflanzen ab Februar oder Jänner und Tomaten bis in den Winter.



Im selbstgebauten isolierglasüberdachten Raum zwischen Haus und Schuppen tragen Feigenbäume Früchte, klettern Kiwi und Exotischeres. Der Feigenduft da drinnen hat was Betörendes.

Als Profi isst Leopold rasantest und kocht hervorragend (in 2 Sekunden hat er ein Tortenstück weggeputzt, in den Küchen war nie viel Zeit zum Essen, sagt er, eine Gewohnheit)

Klar hat er eine Apfelhecke ausprobiert (Pflanzabstand 50 cm) und hat einen Kakibaum und einen Maulbeerbaum. Die vorbildliche Himbeeren- und Gartenheidelbeerplantage zeige ich erst gar nicht her.

Dafür seine selbstgetöpferte oder selbstgeschmierte Bienenbeute. Aus Lehm und Rinderdung, deshalb angeblich ohne Pflege varroamilbenfrei. Den Honig lässt er den Bienen.

Leopold gießt vor allem mit reichlich gesammeltem Regenwasser, aber auch halbautomatisiert mit Stadtwasser. Und im Winter wird im Eisbad open-air gebadet.


Im Vorgarten gibt es interessante Wasserspiele mit Bachlauf.





Am Besten Du kommst mal auf einen Plausch vorbei. Oder brauchst du eine nicht alltägliche Massage? (das kann er auch semiprofessionell). Oder ein Klangbad?


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