Der Kamelienpark in Sant Andrea di Compito, nahe Lucca

Wir waren gerade zum Ende der Kamelienblütezeit in der Toskana, so wollte ich trotzdem dort hin. Zu schauen, ob es noch was zu schauen gibt. Sant Andrea di Compito gilt als DAS Kameliendorf Italiens.

Viel von der Pracht lag schon am Boden.

Der Augenarzt Dr.Angelo Borrini begann im späten 18. Jahrhundert* mit Obsession, Kamelien zu pflanzen, wegen ihrer Schönheit und weil sie im dortigen Klima gut gediehen.(Datenquelle Visit Tuscany)

*Exkurs: Die Italiener bezeichnen die Jahrhunderte anders, das Ottocento ist unser 19.Jahrhundert von 1801-1900, unser 20.Jahrhundert endete im Jahr 2000. Selbiger Borrini war Leibarzt von Herzog Carlo Lodovico di Borbone, der 1883 starb. Also dürfte der Arzt in unserem 19. Jahrhundert gelebt haben. Dresden war ein Kamelienzentrum Europas (siehe weiter unten das Foto der Infotafel), davon zeugt auch das Kamelienschloss Pirna-Zuschendorf. Angelo Borrini lernte in Dresden seine polnischstämmige Gattin Carolina Kredyck kennen. Und so kamen die Kamelien von Dresden nach Lucca.Ein viel später geborener Angelo (oder Angiolino) Borrini nahm den Künstlernamen Lino Ventura an.

Wegen der Gebrüder Borrini findet man im Ort „und an der benachbarten Villa Orsi riesige, teils über 200 Jahre alte Kamelienbäume. Im Park sind die Büsche zwar auch groß, aber noch nicht so alt.

Beginnen wir im 2002 geschaffenen Park Camellietum Compitese mit angeblich mehr als 1000 Kameliensorten.

Wie man sieht sind einzelne Gartenteile berühmten Musikschaffenden gewidmet, die dort auch auf Tafeln vorgestellt werden, von Puccini (senior Michele und junior Giacomo) bis Ennio Morricone. Hier eine Tafel zur Geschichte der Kamelienpflanzung

Der Geldschein dient als Größenvergleich! Am Foto erkennt man sonst nicht, ob die Blüte so groß ist wie ein Bier-Kronkorken oder wie eine Sonnenblume. Diese Sorte hatte das Namensschild ‚Grand Prix‘ während die Sorte davor (oder darüber) ‚Teutonia‘ heißt. Unterschiede sind nicht leicht zu erkennen.

Obwohl es Kamelien nur in den Farben weiß, rosa hellrot, dunkelrot und deren Gemische gibt, lassen sich immer wieder noch schönere Blüten entdecken.

…etwa mit panaschiertem (gestreiften) Laub:

Oder duftende Sorten (nur wenn man die Nase reinsteckt merkt man seeehr zarten Duft wie Narzissen):

Mein Favorit (ohne Duft): ‚Night Rider‘

Festes Schuhwerk sollte man im Park schon haben, gelegentlich mutieren die Wege zu Wandersteigen und da darf man nicht immer zum Blütenbuschwerk aufschauen.

Eine heimtückische Wurzel hat mich pautzperdautz ganz schnell zu Fall gebracht.

Der Überraschungseffekt war stärker als die Blessuren. Zumindest zum Auto konnte ich noch gehen.

Ist eine Sorte schöner, die wenige, dafür edle oder riesige Blüten hat oder eine Sorte, die vor Blüten überschäumend die Blätter verschwinden lässt oder eine Sorte, die nicht nur einmal blüht sondern über einen längeren Zeitraum? Bin noch unschlüssig.

In Sant Andrea di Compito gibt es eine Antica Chiusa Borrini (eine Chiusa ist ein von Mauern umschlossener Garten), wo Italiens erste Teeplantage angelegt wurde. Aber die müssen wir später entdecken.

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