Blumenkästen mit Wasserspeicher sind praktisch. Statt täglichem Gießen reicht es einmal in der Woche zu wässern. Man kann getrost auf Urlaub fahren. Aber auch Beete fürs Freiland (für Blumen oder Gemüse), für den Balkon und die Terrasse können so gebaut werden.
Auf unserer Terrasse habe ich solche Beete mit Wasserspeicher gebaut. Eines für Küchenkräuter, eines für Blumenschmuck. Und wir brauchen dazu niemand zum Gießen zu verpflichten, wenn wir wegfahren .
Ausserdem habe ich eines meiner zwei Hochbeete für Gemüse mit so einem Wasserreservoir ausgerüstet. 3 Tage vor dem Urlaub heuer hatte ich in einer Gärtnerei in Deutschland (zu der ich so schnell nicht wieder hinkomme) einen Kofferraum voll Stauden gekauft.Die pflanzte ich nicht an den endgültigen Standort sondern noch schnell ins Gemüse-Hochbeet mit dem Wasserreservoir. 10 Tage später, nach einer Hitzewelle mit bis zu 39°C, hatten 28 von 30 Pflanzen überlebt und sind sogar schön angewachsen.

(wie man sieht sind alle Pflanzen verrückt gewachsen, man kann beruhigt wegfahren, leider kann man dann auch nicht die Tomatenstauden entgeizen oder hochbinden und aus dem geordnet ordentlichen Gemüsebeet entsteht dann ein Dschungel aus Paradeiserpflanzen, Gurken, Zucchini, Physalis und eingemischt eben geretteten Neupflanzen.)
Das Wasserreservoir in den Beeten ist im Prinzip ein Folienbecken aus einer rechteckigen EPDM-Teichfolie unterhalb des Pflanzsubstrats. Im Artikel „Folienteich“ der Wikipedia ist eine gute Übersicht über Teichfolien. PVC-Folien enthalten mehr als 50% ihrer Masse giftige Weichmacher, die herausgelöst werden können und dann als Sondermüll den Garten vergiften. PVC-Folien will ich nicht im Garten haben, brrr! Dann schon eher eine EPDM-Synthetikgummifolie.
Damit nicht Substrat anstelle von Wasser das Folienbecken füllt, stellte ich „Füllkörper“ aus Kunststoff in das Folienbecken (die Höhe des „Wasserbeckens“ soll etwa 1cm höher als die Höhe der Füllkörper sein).
Im Hochbeet sind diese Füllkörper umgedrehte Bierkisten (mit dem Bodenteil nach oben),in den niedrigeren Blumenbeeten sind es umgedrehte leere Balkonkisterl und umgedrehte leere Pflanzencontainertöpfe (wie sie nach einem Pflanzenkauf anfallen). Dann benötigt man noch wassersaugfähige Stoffe, am besten Vlies. Das Vlies stopft man in den Zwischenraum zwischen Füllkörper und Folie bis zum Boden und legt den Rest waagrecht auf die Füllkörper. Die Füllkörper sollen komplett vom Vlies bedeckt sein.Das Vlies saugt wie ein Docht das Wasser hoch und das waagrechte Vlies verhindert das Abrutschen des darüberliegenden Substrats in den Wasserkörper.Vliesmatten bekommt man im Baumarkt (als Dachdeckervlies) oder Reste bei Teichbauern. Im Prinzip müssten alte Frotteehandtücher, Putzlappen oder Maler-Bodenschutztücher auch genügen. Saugfähig sollten sie sein. Optimal wären „Kapillarmatten„, Vlies und Tücher erfüllen aber auch den Zweck.

Neben der großen Anzahl Bierkisten (oder Container) wird ein Stück Abwasserrohr aus Polypropylen als „Schaurohr“ in das Folienbecken gestellt. Dort kann man dann jederzeit den Wasserstand des unterirdischen Beckens kontrollieren oder Wasser nachfüllen oder mit einer Pumpe herauspumpen. Der maximale Soll-Füllstand bei Bierkisten im Untergrund ist die Bedeckung einer ins Kontrollrohr hineingestellten Bierflasche (mit dann gut gekühltem Bier darin), bei Containertöpfen die Höhe ebendieser Töpfe. Ein Zuviel an Wasser rinnt am tiefsten Folienrand über.
Ich habe leere Bierkisten bei der nahen Brauerei Grieskirchen besorgt, die immer wieder schadhafte Kisten loswerden will (wo der Lack ab ist). Jede Altkiste kostete trotzdem €3,20, weil wenn sie gratis abgegeben würden, würden „Pülcher“ ein Geschäft draus machen. Altkisten gratis sammeln und im nächsten Lebensmittelgeschaft den „Kisteneinsatz“ kassieren gehen, den dann schlussendlich die Brauerei ans Geschäft zahlen müsste. Die Kisten sind jetzt allerdings theoretisch schon mehr wert, denn die Brauerei Grieskirchen sperrte eine Woche später komplett zu (kein Wunder, wenn die Leut‘ nur leere statt gefüllte Bierkisten kaufen…) Die Brauerei ist Geschichte und die im Beet konservierten Bierkisten nicht mehr erhältliche Sammlerstücke (kennen sie wen, der statt Briefmarken Bierkisten sammelt? Diesen Exzentriker bitte bei mir melden!).
Getränkekisten sind aus Polyropylen gefertigt, enthalten keine Weichmacher und meist keine sonstigen Zusatzstoffe, keine Flammschutzmittel,Bisphenol A oder Stabilisatoren und „halten ewig und drei Tag“. In Österreich haben sie Standardmaße Länge 40cm, Breite 30cm und Höhe 29cm. Die Bierkistenfabrik Haidlmair in Nussbach braucht so nur einfachere Formen bauen und variiert dann nur die Farbe und Aufkleber.Die Brauerei Stiegl hat vermutlich die Kisten in Deutschland gekauft, ihre sind nur 28cm hoch.Oder man nimmt Mineralwasserkisten die sind wegen der Literflaschen noch höher.
Man kann für den Balkon alternativ stapelbare „Euroboxen“ zu einem Hochbeet umfunktionieren (und spart dadurch auch die Folie). Euroboxen in grau sind in Baumärkten erhältlich und in allen Farben bei den Herstellern. Man kann aber auch graue Boxen mit einer Schilfmatte umhüllen und so verschönern .Oder man nimmt schmalere „Raumteiler“-Pflanzgefäße aus Kunststoff.

Euroboxen haben die Außenmaße (in cm) LxB 60×40 mit Höhen 12,22,32 und 42cm und 80×60 mit Höhen 12,22,32,42 und 52cm.So stapelt man mehrere Euroboxen bis man die gewünschte Höhe erreicht hat. Für Hochbeete zum Jäten im Stehen höhere, für den Balkon vielleicht niedrigere. Man bekommt auch passende dreh- und rollbare Wägelchen und kann damit mobile Beete oder damit Sichtschutz für Sitzplätze bauen.

Der unterste Behälter eines Stapels dient entweder als Wasserbecken (es gibt Behälter mit Griffloch und ohne) oder als „Kasten“ für Werkzeug. Bei den oben draufgesetzten Behältern schneidet man mit einer Stichsäge oder Flex den Boden weg (innerhalb der Stege die den perfekten „Sitz“ am Rand der unteren Box garantieren). So schafft man Hochbeete in beliebiger Höhe. Wenn man von „Unterbaukisten“ die Vorderseite wegschneidet erhält man so ein Gartenwerkzeugfach. Oder man bestellt gleich „Sichtlagerkästen mit Öffnung„.

Die Außenmaße 40,60 und 80 cm sind leider nicht ideal für hineinzustellende Bierkisten, da bleibt Hohlraum übrig und dann braucht man als ergänzende „Füllkörper“ gelochte PET-Getränkeflaschen oder leere Pflanzencontainer.
Mit den Euroboxen kann man auch gut Hydroponik betreiben, die Nährlösung wird dann im Wasserreservoir aufgefangen, eine Bewässerungspumpe sitzt dann im Schaurohr.Zur Bewässerung genügt die schwächste Aquarienpumpe sofern man das „Gesetz von Hagen-Poiseuille“ beachtet. Es beschreibt,dass der Strömungswiderstand der Rohrinnenwand (und damit der Durchfluss)in Abhängigkeit steht mit der vierten Potenz vom Radius des Rohres. Eine Erweiterung eines Rohres auf das Dreifache (eineinhalb Zoll Durchmesser statt Halbzoll, vom Durchmesser auf den Radius bezogen von d/2 auf 3 d/2) verbessert den Volumendurchfluss um das 3x3x3x3=81-fache und man schafft mit einer schwächeren Pumpe mehr Durchfluss.An die Pumpe kommt ein kurzes Schlauchstück mit kleinem Durchmesser und mit zwei Schlauchtüllen mit Schnellkupplung oder Bajonettverschluss. kann man das Pumprohr auf einen dickeren Schlauch erweitern.Mit einer Pumpe kann man das Wasser vor dem Winter herauspumpen (obwohl es wegen des Salzgehalts schlechter friert) oder man hebt dazu die Kisten mit der durchwurzelten Erde herunter.
Als Substrat habe ich im Kräuterbeet und Blumenbeet normalen feinen Humus angereichert mit Kompost aus dem Kompostwerk, im Gemüsebeet ein Spezialsubstrat aus der Hydroponik abgeschaut(obwohl ich damit nicht Hydroponik betreibe). Das beste Fachbuch dazu ist von William Texier: Hydroponik leicht gemacht – alles über Pflanzenanbau im Haus, , 325 Seiten, Verlag Mama Editions, ISBN 978-2-84594-087-1, das es auch in anderen Sprachen gibt. Und daraus habe ich mein bewährtes Untergrund-Substrat abgeleitet. 50% Perlit (nimmt man gewöhnlich als wärmedämmendes Schüttgut, gibt’s im Baumarkt) und 50% Ziegelmehl (allerfeinstes Ziegelschleifmehl fällt in jeder Ziegelfabrik an.Es gibt aber auch Ziegelbruch säckeweise), dieses Gemisch etwa 20 cm hoch und oben drauf holzrestereiche Komposterde, die beim Verrotten meiner Totholzhaufen übrigbleibt, angereichert mit Hornspänen. Es müsste aber auch Erde aus dem Gartenmarkt funktionieren.
Gitterboxen könnte man auch mit Erde füllen,allerdings trocknet dann die Erde zu schnell aus. Ich würde sie nur für Kompostwurmkisten benutzen, die ja mehr Sauerstoff brauchen.

Apropos Sauerstoff. Pflanzenwurzeln benötigen Sauerstoff, um Nährstoffe aufnehmen zu können.Bei der sogenannten „Wurzelatmung“ verbrauchen die Wurzeln und beteiligte Mikroorganismen den Sauerstoff und „veratmen“ ihn komplett zu Kohlenstoffdioxid. Beim Gießen mit Wasser oder Düngerlösung dringt das Wasser in die Poren der Erde ein und befeuchtet einerseits die Wurzeln und löst andrerseits dieses Abfall-Kohlendioxid und versickert damit. Die versickernde „Wasserfront“ saugt gleichzeitig Luft von oben ein und die Wurzeln werden wieder mit frischem Sauerstoff versorgt und können die in der Feuchte enthaltenen Nährstoffe wieder aufnehmen. Das dürfte auch ein Grund sein, warum Pflanzen nach einem Regenguss besser wachsen.Conclusio: Pflanzen wachsen besser/schneller, je öfter man sie gießt.
Und genau das wird in der Hydroponik genutzt. Bei einem Hydroponiksystem mit Bewässerung (es gibt auch bessere Systeme) wird alle halbe Stunde frisch bewässert und das Sickerwasser aufgefangen und im Kreislauf geführt. Nebenbei kann das Kohlenstoffdioxid aus dem Wasser ausgasen, weil ja Pflanzen CO2 bei der Photosynthese zum Wachsen benötigen. Darum wird Hydroponik gerne in geschlossenen Gewächshäusern angewandt.
Obwohl die Pflanzen bald aus dem feuchten Substrat ihr Wasser beziehen könnten verbessert gelegentliches Gießen auch das Wasserhochsaugen. Man schafft dadurch eine Wassersäule im Substrat entlang der mehr Wasser von unten kapillar heraufgesogen wird. Und man saugt, wie beschrieben,frische Luft zu den Wurzeln.

(Das Blumenbeet auf der Terrasse, gerade nach dem Wiederauffüllen. Die Umrandung macht man, indem man Holzleisten in „L-Form“ zusammenschraubt, das gefüllte Folienbecken darauf stellt und an den hochragenden Leisten den Schilf- oder Holzzaun befestigt. Schnell gemacht, aber auch die Schwachstelle. Denn so ein Schilfzaun hält gerade 2-3 Jahre und zerfleddert dann, wie man sieht.Ich muss wohl Klinkerziegel oder Tuffsteinblöcke aufstellen, damit das Ganze haltbarer wird.)
Wer eine Pumpe verwendet darf nicht vergessen das Wasserbecken mit einem U-förmigen Metallstab im Schaurohr zu erden. Die Gummifolie isoliert Strom und falls ein Pumpenkabel schadhaft würde, löst der FI-Sicherheitsschalter im Zählerkasten nicht aus (weil der Fehlerstrom nicht abfließen kann). Die erste Person die in derart geladenes Wasser greifen würde leitet dann den Fehlerstrom ab und bekäme einen tödlichen Stromschlag. Wir verlieren einen geliebten Menschen und die Erbauer werden zusätzlich wegen fahrlässiger Tötung belangt, wollen wir doch alles nicht.
Weil Beete mit Wasserspeicher sind doch eine super Sache.
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