Erlauchtes Wasser vom Kaiserbrunnen (11-2025)

Zur Eröffnung meiner winterlichen Saunasaison entführe ich meine BlogleserInnen in das Wiener Kaiserbründlbad (mit einem „n“), in eines der ältesten Saunaetablissements von Wien. Das Wort Etablissement darf hier wörtlich genommen werden. Zwegen des unter Denkmalschutz stehenden orientalisch neubarocken Interieurs, den zugehörigen Wandmalereien und weil dort schon erlauchte Erzherzöge von Österreich-Ungarn ab 1889 ihren Sauna-Vergnügungen etc. nachgingen.

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Nach Sauna gelüstet es mich dann, wenn ich von der Gartenarbeit ausgekühlt angenehme Wärme suche und besonders dann, wenn empfindliche Haut (umgangssprachlich ein „Haarwurzelkatarrh“ aller Körperhaare) eine Verkühlung oder einen Infekt ankündigt. Die Überhitzung verbessert das Immunsystem. Gottlob investierte meine Göttergattin in eine geräumige Kellersaunakabine, in der ich allerdings lieber alleine (und wohlig ausgestreckt) liege und mich ohne Gespräche erwärme. Selbige brauche ich nicht unbedingt zur Entspannung.

Mehr als das Saunieren genieße ich das ebenso mögliche Dampfbad, viel Dampf bei geringerer Hitze, es ist besser fürs schwache Herz. Und genau das Dampfbad erinnerte mich an einen alten Bericht über das Kaiserbründl, den ich hiemit hervorhole.

Das Dampfbad im Kaiserbründl ist nämlich was ganz Besonderes! Das Kaiserbründl-Etablissement in der Weihburggasse 18-20 im ersten Wiener Bezirk (war bei der Gründung 1890 innerhalb der damals noch existierenden Stadtmauer) wird deshalb auch von Touristen heimgesucht. Voriges Jahr (also 2025) suchte auch ich diesen architektonischen Kunstgenuss in Wien an einem Freitagnachmittag auf.

BILDER habe ich davon nicht, darf man ja nicht beim Saunabetrieb aufnehmen. Daher verweise ich aufs Internet (Links folgen am Ende). Bilder darf MANN nicht aufnehmen. Denn das Kaiserbründl ist mittlerweile eine Herrensauna und Frauen haben erst gar keinen Zutritt. Und gegen Abend mutiert die Herrensauna zur Schwulensauna.

Laut dem Geschichtewiki von Wien diente das Bad ab 1889 als „Centralbad“ und Wellnessinstitution. Mit abgeschlossenen Kabinen samt Badewannen und Ruheräumen (eine Tür weist noch immer das Schild „Zum Damen-Wannenbad“ auf), mit Frigidarien (Kalträume) und Caldarien (mildwarmer dampfiger Raum mit beheiztem Boden und Wänden, also mit viel angenehmer Strahlungswärme), mit schwefel- oder moorhaltigen Medizinalbädern, Lichtbädern, Dampfbadkabinen, „kalten Douchen֧“, Massagen, Maniküre, Elektrotherapien, usw. Im Mezzanin (ein Stockwerk zwischen Erdgeschoß und erstem Stockwerk mit geringerer Raumhöhe als die üblich herrschaftlichen Räume, also Räume für Dienstboten) waren die „67 Auskleidezellen im maurischen Stil“ und die Wannenbäder, das anstrengende Dampfbad nur für Männer diskret im Souterrain (salonfranzösisch vornehm für „Keller mit Fenstern“ )

Vom einstmaligen Glanz sind Auskleidezellen erhalten geblieben, die man als historische Kabine um €34,- bucht (falls sie nicht zur „Rush Hour“ ausgebucht sind) und ganz exquisite VIP-Kabinen (um €51,-). Der Rest des gemeinen Volks muss ein „Kästchen“ um €27,- oder eine „Standard-Kabine“ um €31,- nehmen. In den 1990er Jahren wurden antike Keramikauskleidungen (also aus den 1890ern) um Wandmalereien eines Bühnenmalers erweitert und von ihm aufgepeppt, vornehmlich wurden (sexuell nicht aktive) nackte Männer abgebildet. Der künstlerische Wert hält sich in engen Grenzen.

Der ganze Wandschmuck kann im Restaurant (in dem man auch in Straßenkleidung oder im Bademantel sitzen darf) bewundert werden. Der Rest des „Souterrains֧“ geht nämlich in schummrigen Licht unter und man kann in dem Halbdunkel Vieles nur erahnen. Falls es da was Lasziveres zu sehen gäbe braucht man wohl ein Nachtsichtgerät oder einen Reiseführer (es gäbe da EIN spezielles unbeschreibliches Gemälde das Google nicht abbildet). Allerdings sind die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane an der Fassade des Stephansdoms faszinierender.

Bezüglich „Sehen“ hält sich alles in noch engeren Grenzen. Außerhalb der Saunakabinen haben die meisten Männer ein bei der Kassa geliehenes weißes Handtuch um die Hüfte geschlungen. Es sind viele (beschnittene) Muslime zugegen, für die ja „Nacktheit“ im Allgemeinen „tabu“ ist und die sich auch im Hammam mit einem Schurz bekleidet waschen (erlebte ich in einem Hammam in Marrakech) und solcherart prüde geprägte Muslime tragen wohl auch in diesem speziellen Keller ein Handtuch. Und Touristen sind da, die auch nicht gerade exhibitionistisch unterwegs sind. Nackt ist man(n) nur in den zwei heißen Saunakabinen (wo jeder an die Wände starrt) und im Dampfbad (mit Sicht Null vor lauter Dampf). Dort könnt’ma einen güldenen oder diamantenen Piercing-Ring am Ende der Harnröhre tragen, es fiele niemandem auf.

Bekanntlich differieren weibliche und männliche Geschlechtsorgane, keine zwei sind gleich. Vulva-Gipsabdrücke und -Sammlungen von Künstlerinnen (Megumi Igarashi, Gloria Dimmel, Viktoria Krug und Jaqueline Korber u.a.m.) und Künstlern (Mirko Hechts „I show flag“ oder Jamie McCartney ) und Arbeiten von Cynthia „Plaster Caster“ Albritton und Körperabformungen von Martina Reis oder Maya Schnorf zeugen davon. Das Kaiserbründl wäre da ein schlechter Ort, um Vergleiche oder Studien zu Männern zu machen. Zu finstrig die Gefilde und zuwenig exhibitionistisch die Gästeschar.

Heißer geht es bloß im Dampfbad her, da ist alles machbar und erlebbar. Auf den zwei gewärmten Bänken konnte ich Erektionen, Selbstbefriedigung, gegenseitige Masturbation und die zwei Arten der männergeschlechtlichen Vereinigung oder (wenn zwei Hände noch frei sind) alles zusammen, mehr oder minder beobachten. Wie gesagt, die Sicht ist miserabel, aber man kennt die Bewegungen und die schlechte Sicht im Nebel bietet viel Anonymität. Wer sich hinsetzt, muss sich selbst berühren, sonst macht das der daneben Sitzende und erwartet von dir dasselbe!

Die im Dampfbad nicht sitzen, also stehen, disqualifizieren sich selbst als dröge Touristen und Schauer. Schauer gibt es auch auf der Bank vor der offenen Dusche, um anscheinend allfällige Erektionen zu erhaschen und zu beobachten, oder am Mehrplatz-Pissoir. Das Pissoir erinnerte mich an den Syntagmaplatz im Herzen Athens. Als 19jähriger trampte ich durch Griechenland, wollte nach der Stadtbesichtigung meine Harnblase leeren und beim Öffentlichen Pissoir verharrte ein verstohlen links und rechts beobachtender Mann mit für mich verstörenden Bewegungen, die man beim Pinkeln eigentlich nicht macht. Solche sich aufgeilenden „Beobachter“ findet man also auch im Kaiserbründl.

Die zwei kuschelig kleinen Saunakabinen (jede für etwa 10 eng Sitzende) sind hochtemperaturig und im Grunde uninteressant, dafür noch am hellsten beleuchtet. In der einen roch es nach einem Gemisch von altem Nikotin und Zitronenaufguß, die andere war neutraler im Geruch und heißer. In dem Keller gibt es einen Ruheraum (ohne Bier) und zur Abkühlung ein Miniatur-Schwimmbecken (ca. 7×4 m) im maurischen Stil (mit Betretungsverbot, aber das dient nur als Haftungsausschluß, wie mir ein Gast erklärt hat). Der fehlende Chlorgeruch und allfällige naheliegende Verunreinigungen animierten mich trotzdem nicht zum kühlenden Bad.

Spannender war mehr der Rest des Kellers, ein ziemlich verwinkelter Darkroom. Dort war Handtuchverbot (das überwacht wurde) aber im Dunkel waren nur Schemen von Gestalten zu erkennen und tschechische Gesprächsfetzen aufschnappbar. Ein Paar hatte heftigen Verkehr und etwa 10 Gestalten umringten es wie Motten das Licht (aber eben im tiefsten Dunkel). Irre grotesk die Szenerie. Im Keller fand ich abschließbare Zellen mit Matratzen am Boden, mit Lederbänken, Gitterstäben und Käfigen. Alles was das Herz begehrt? Gewaltszenen bemerkte ich nicht, Angst habe und hatte ich im Dunkel nicht. Eher findet man aus dem Gewirr von Gängen, Stufen und Zellen nicht so leicht wieder zur Treppe nach oben zum Licht.

Fazit: Ich werde mir eine andere Sauna in Wien suchen.

Bilder bei Google

Artikel „Zentralbad“ bei Wikipedia

PS: Der „echte“ Kaiserbrunnen vulgo Kaiserbründl ist die Quelle des Flusses „Wien“, der durch Wien fließt, sozusagen Wien an der Wien.Dessen Quellwasser muss ich noch erst kosten.

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