Einmal im Jahr wird der „Glanglmoarkt in Wös“ abgehalten. Am Samstag nach MariaLichtmess. Früher verkauften Dienstboten hier ihre Kleintiere.

Als noch die Landwirtschaft im Zentrum der Welser Messe stand, fand man den Glanglmarkt in den Rinderstallungshallen rund um die kreisförmige Versteigerungshalle. Die Hallen mussten einem Großparkplatz weichen und mit dem Fortschritt zog der Markt in eine modernere Halle ein. 5 Gänge, links und rechts mit Verkaufskäfigen jede Reihe mit Käfig an Käfig mit Kleintieren. Mit Hasen (haben lange Ohren)

… und Kaninchen (haben kurze Ohren),

Tauben, Hühner, Meerschweinchen, wegen der Vogelgrippe heuer ohne Wasservögel (Enten, Gänse).




Der Markt fängt um 5 Uhr früh an und die Marktbeschicker müssen dazu noch früher aufstehen.

Mein innerer Schweinehund trieb mich leider erst um ca. 11 Uhr hin, da wurden schon schachtelweise die Käufe abtransportiert und ich erinnerte mich an den weisen Spruch „Früher Vogel fängt den Wurm“.

Von den zahlreichen Käfigen waren nur mehr ca. ein Fünftel besetzt und der Rest, sichtlich benutzt aber geleert.

Aber es gab noch genug zu sehen.


Vom Haushuhn gibt es ja nicht nur die eine Sorte „Brathuhn“, sondern alle möglichen Rassen.

Wie diese Rasse heißt habe ich schon wieder vergessen, aber der Besitzer und Züchter erklärte mir, dass diese Färbung „nicht anerkannt“ wird, weil sie nicht die reine Rasse darstellt. Vermutlich deshalb hatte er noch keine Käufer gefunden?

Andere Züchter meinten, sie hätten 600 Eier mit gehabt und „alle verkauft“. Ob zum Verzehr oder zum Erbrüten neuer Hühner war mir nicht klar. Nein, wahrscheinlich zum Erbrüten. Braucht man ja nur einer sitzenden Henne unterschieben, Ei ist Ei, und wird „adoptiert“ und schon wächst die Hühnerschar.


Als unsere Kinder noch im Kindergartenalter waren, hielten wir auch Hühner. Anfangs samt Hahn. „Der kräht eh nicht“ meinte bauernschlau der Lieferant. Er hat doch gekräht. 2 Stunden vor Tagesanbruch, also um zwei Uhr früh, hat der blöde Hund damit begonnen. Aus Rücksicht auf die Nachbarn haben wir Städter ihn wieder retourniert.

Es hatte sich im Kindergarten herum-gesprochen, dass wir Hühner halten (die nächsten waren 3 Kilometer weiter und fußläufig für die Zwerge nicht gut erreichbar). Alsbald wurde der Wunsch einer Besichtigung des Hühnerstalls an uns herangetragen, und ob sie ein paar Eier mitnehmen dürften um gemeinsam Eierspeis‘ zu kochen. Natürlich fand sich für jedes besuchende Kind ein Ei (es war Herbst und die 4 Hühner legten schon weniger, wir hatten die Vorzeigeeier im Lebensmittel-laden gekauft, die Ei-Stempelung störte nicht) und alle konnten eine Eierspeis‘ von einem selbst gefundenen Ei kochen.

Das Hühnerhaus war nicht ganz winterfest und mit dem ersten Schnee kam das Bedürfnis, die Hühner wieder loszuwerden. Offiziell (für die Kinder) durften sie beim Bauern weiterleben, inoffiziell wurde ICH gedrängt, sie im Dunkel der Nacht kochfertig zu machen. Hab’s so was noch nie gemacht. Trotzdem delegierte frau die Arbeit an mich. Axt geschärft, Hackstock bereit gelegt, Einfangen, auf den Rücken legen (auf ihren Rücken! Dann geraten sie in hypnotische Starre) und Enthauptung mit nur einem gut gezielten Schlag. Zum Ausbluten in einen Kübel halten (damit sie nicht geköpft noch herumflattern, echt jetzt) und dann in heißem Wasser von den Federn befreien. Grauslich.
Und sie waren auch als Suppenhühner zu zäh. Wahrscheinlich wurden uns unerfahrenen Städtern geriatrische Uralthühner als „Junghennen“ verkauft?

Noch ein paar Eindrücke vom Markt. Es gab genug zu sehen, Gegacker und Kräherei zu hören und Hühnermist zu riechen.

Kinder durften süße Jungkaninchen halten und streicheln. Bei früheren Märkten gab es auch Pfauen, Truthähne und -hühner und Wachteln, erinnere ich mich. Vielleicht waren sie schon ausverkauft?


„Bring bloß nix heim“ gab es die Ermahnung, bevor ich zum Glanglmarkt fuhr. Warum denn? Das Hühnerhaus stand zehn Jahre leer und wurde dann zersägt und das Holz verheizt.
So ein Pfauenpaar wäre wirklich nett. Und die können sich selbst gegen Marder wehren. Anders als die Hühner (das wäre noch eine andere Geschichte…)
Aber das Kapitel ist abgeschlossen. Sollen Andere damit glücklich werden..


Haha, köstlich 😅
…. und irgendwie schade ums Hühnerhaus 😉