Ein Hochbeet für Leute mit wenig Zeit

Weil ich mittlerweile von einigen Personen weiß, dass sie ein Kräutergärtlein oder BlumenGemüseErdbeerBeet auf der Terrasse oder am Balkon haben möchten, aber wegen Reisen oder Arbeit woanders häufig abwesend sind und keine Möglichkeit zum Gießen haben (und diese Arbeit nicht Anderen aufbürden wollen oder können), zeige ich ihnen (und Ihnen) mein Hochbeet mit selbstständiger Wasserversorgung. Ein Hochbeet mit Wasserreservoir.

Da wächst alles super, auch wenn nicht gegossen wird und trotzdem ein (vom Wind zerfleddertes) Tomatenschutzdach viel Regen abhält.

Wenn man so oft und lange auf Reisen ist wie ich kommt man nicht zum Gießen aber auch leider nicht rechtzeitig zum Unkrautjäten, Pflanzenaufbinden oder Schutzdach reparieren. Wie man sieht, alles wächst trotzdem kräftig und üppig.

Zur Entwicklung des Hochbeetbauens ein bisschen Geschichte und Wissen: Zwecks Ernteverfrühung gab es früher sogenannte „Mistbeete“, das waren erhöhte abgedeckte Holzrahmenkästen, die durch die Verrottung von eingelagertem Tiermist und Stalleinstreu warmen Boden und warme Luft aufwiesen. So ähnlich wurde Gemüse auch auf Komposthaufen angebaut.

Dann wurde für Gärten das Hügelbeet „erfunden.“ (vielleicht hatten es schon die alten Babylonier in Gebrauch, wer weiß?) Man baute ein Hügelbeet, indem ein Flecken Gras ausgestochen wurde, die Grassoden umgedreht quasi zu einem Bogen aufgeschichtet wurden und der „Hohlraum“ in der Mitte zuerst mit Ästen und Erde und weiter oben mit feinerem Humus gefüllt wurde. Der langgestreckte Hügel in West-Ost-Richtung fing mehr Sonnenlicht und damit mehr Wärme und mehr Ertrag ein. Auch zusammen mit Verrottungswärme und Kompost ergab sich ein wärmerer Boden und Ernteverfrühung und eben Mehrertrag.

Nachteil von Hügelbeeten ist bloß, man muss sich zum Bearbeiten bücken. also erfand irgendwer dazu das Hochbeet (hüfthoch, etwa 80cm), das alle Vorteile der diversen Beetkulturen vereinen sollte: Jäten, Schädlinge finden und Ernten geht nun ohne Bücken und der Boden kann auch wärmer werden. Das Heben von vollen Gießkannen war dabei aber zu anstrengend, deshalb wurde nun mit fixem Wasseranschluss und Gießlanzen gewässert.

Weil Schnecken auch auf Bäume und Hochbeete „klettern“ kann außen sehr einfach ein Schneckenzaun angebracht werden (billig selbst bastelbar aus Alu-Fliegengitter, aber Schneckenvermeidung wäre schon wieder ein eigener Blogbeitrag)

Weitentwicklungen waren Gießwasser-vorwärmung (in einer am Hochbeet liegenden durchflossenen Wassertonne) oder ein unterfahrbares Hochbeet für Rollstuhlfahrer:innen (das quasi auf Stelzen steht)….

…ein draufgestelltes „Mistbeet“

…und das Hochbeet am Balkon, das im Unterteil keine Erde sondern ein Fach für Gartenwerkzeug oder einen Regenwassertank enthält oder (beim Modell oben) einen die Feuchtigkeit und Hitze überwachenden Computer.

Meine Weiterentwicklung ist nun die Kombination des Hochbeets mit einem Sumpfbeet oder Wasserspeicher, Hydroponiksubstraten und einer kapillaren Dochtbewässerung.

Ein Sumpfbeet legt man für Sumpfpflanzen an (Moose, Wasserpflanzen, etc.) indem man aus einer wasserdichten Folie eine Kuhle oder einen Miniteich macht und mit Humus bedeckt. Jeder Teich enthält allein wegen des Luftdrucks, der Windbewegung und thermaler Umschichtung auch in 10 m Wassertiefe Sauerstoff im Wasser (was Fische, Algen und Wasserpflanzen gedeihen lässt, die den Sauerstoff benötigen und zu CO2 veratmen). Ist nun die Wasseroberfläche bedeckt (mit Pflanzen, Algen oder Erde) so nimmt der Sauerstoffgehalt des Wassers deswegen mehr ab als er zunimmt und das System kann „anaerob“ werden. Dann produzieren Fäulnisbakterien Methan und stinkenden schwarzen Schlamm und Pflanzenwurzeln können absterben, oder das Pflanzenwachstum verlangsamt sich und auch darum bleiben Sumpfpflanzen eher klein. Und weil „Normalpflanzen“ in so einem Milieu nicht gedeihen, bleibt dieser anaerobe Lebensraum den spezialisierten Sumpfpflanzen. Am Bild wächst subtropischer Lotos (im Botanischen Garten Triest) in einem Sumpfbeet:

Wegen des möglichen Absterbens von Pflanzenwurzeln hat man es vermieden, dass im Untersetzer von Blumentöpfen Wasser stehen bleibt, denn „Staunässe“ im Topf lässt Wurzeln sterben, die Erde wird dunkler und riecht faulig.

Auf meiner Terrasse habe ich absichtlich drei Sumpfbeete angelegt (für Kräuter, Balkonblumen und zum Aufpäppeln von Pflanzen) . An der Basis ist EPDM-Folie eingelegt und bildet einen etwa 15cm hohen „Teich“. Darüber ist Humus. Damit möglichst viel Wasser im Teich gespeichert wird sind umgedrehte leere schwarzen Pflanzencontainer und umgedrehte Balkonkisten als „Abstandshalter“ eingelegt (die sozusagen einen Hohlraum bilden der sich mit Wasser füllen kann), darüber Teichvlies und auf dem Vlies feinste Pflanzerde. Ein kurzes Kanalrohr, das bis zum Boden des „Teichs“ reicht, zeigt den jeweiligen Wasserstand an. Wegen des Wasserreservoirs müssen die Beete nur etwa alle 10 Tage gewässert werden. Regen erreicht die Beete auch und kommt einmal zuviel Wasser hinein, dann läuft der unterirdische Teich eben über. Alles in allem sehr pflegeleicht. Viele Balkonblumen wachsen üppig, manchen (staunässeempfindlichen) behagt der Sumpf gar nicht.

Durch Erforschung der Hydroponik (erdlose Pflanzenaufzucht) weiß man, dass Pflanzen Sauerstoff bei den Wurzeln benötigen um Nährstoffe über Wurzeln überhaupt aufnehmen zu könne. Sie veratmen den Sauerstoff bei der Nährstoffaufnahme und das Ganze wird „Wurzelatmung“ genannt.

„Hydrokultur“ mit gebrannten Tonkügelchen wurde für Raumbegrünung erfunden. Wenn man den Wasservorrat so eines geschlossenen Hydrokulturtopfes durch ständiges Gießen hoch hält, tötet man langfristig die Pflanze durch Ertränken. Deswegen gibt es den Wasserstandsanzeiger. Der Wasserspiegel muss absinken, die Wurzeln bekommen Luftsauerstoff, erst dann wird wieder aufgegossen. Sinnvoll aber wenig effizient (aber bei Raumbegrünung egal, die Pflanzen sollen nur überleben und nicht in den Himmel wachsen oder müssen nicht viele Früchte tragen).

Beim Hydroponik-System der Ebbe-Flut-Anstau-Bewässerung wird im Halbstundentakt der Wasserspiegel angehoben und abgesenkt! Im Wasser löst sich das bei der Wurzelatmung gebildete CO2 und wird bei der Wasser-absenkung fortgespült. Der sinkende Wasserspiegel saugt von oben Frischluft an und die Wurzeln werden wieder mit Sauerstoff versorgt und können wieder (im Halbstundentakt!) eingespülte Nährstoffe aufnehmen. Effekt: Die Pflanzen wachsen schneller.

Damit genug Sauerstoff eingesaugt werden kann und im Bodenkörper Platz hat nimmt man Bodensubstrate, die Wasser nicht festhalten. „Wasserhaltevermögen“ ist die Wassermenge, die ein Substrat aufnehmen kann und die „Retention“ die Kraft, die das Wasser im Substrat hält, und gegen die die Pflanzenwurzeln „anarbeiten“ müssen. Und der pH-Wert des Substrats sollte auch passen und die Ionenaustauschkapazität und und und (steht alles im besten Buch zur Hydroponik von William Texier: „Hydroponik leicht gemacht“)

Das erfolgreiche Prinzip der „Sumpfbeete“ wie auf der Terrasse, habe ich nun schon das zweite Jahr auf einem meiner zwei Hochbeete.

Als Abstandshalter habe ich keine leere schwarzen Pflanzencontainer verwendet, sondern leere Getränkekisten. Die sind stabiler und mehr oder minder genormt. Bierkisten haben die Maße 30cm mal 40cm mit 29 cm Höhe und Mineralwasserkisten 30cm mal 40cm mit 34bis36cm Höhe. Material ist meist der stabilste aller harten nichtspröden Kunststoffe, nämlich Polypropylen, es ist weitgehend abriebfest, weichmacherfrei und wird von Mikroorganismen kaum angegriffen.

Man checkt also im Internet die möglichen Maße der gewünschten Hochbeete und errechnet dann, wieviel Kisten hineinpassen. Dann kauft man Bier oder Wasser nur mehr kistenweise und gibt die Kisten nicht mehr zurück. Ich holte mir schadhafte Kisten von einer Brauerei. Die kosteten leider genauso viel wie das Pfand einer Kiste (damit niemand auf die Idee käme, billige Abfallkisten zu kaufen und im Supermarkt zurückzugeben und dann am Pfand zu verdienen). Mit der nötigen Anzahl an Kisten kann man sich dann das zukünftige Wasservolumen und das gespeicherte Wassergewicht ausrechnen (der Balkon soll ja nicht deswegen runterplumpsen).

Alternativ könnte man auf winzigkleinen Balkonen auch Pflanzgefäße statt einem Hochbeet verwenden. Etwa einen 72cm * 60cm * 25cm großen „Raumteiler“-Pflanzkübel. In den man unten die Folie einlegt, oder wenn das Gefäß ohne Wasserabzugsloch verkauft wird, dass man das Abzugloch erst in 50 cm Höhe bohrt.

Dann kauft man im Baumarkt EPDM-Teichfolie. (EPDM ist synthetischer Gummi). PVC-Folie enthält Weichmacher, die von Wasser herausgelöst werden (steht alles genau im Wikipedia-Artikel „Teichfolie“) und EPDM-Dachfolien enthalten Flammschutzmittel. Nötige Länge der Folie = Länge des Hochbeets plus zweifache Höhe der Kisten plus 5cm, nötige Breite der Folie = Breite des Hochbeets plus zweifache Höhe der Kisten plus 5cm.

In diesen „Teich“ stellt man die umgedrehten („am Kopf stehenden“) Getrankekisten hinein und ein Kanalrohr (mit etwa 20cm Durchmesser), um später den Wasserstand kontrollieren zu können. Wer in dieses Kanalrohr eine 230V-Teichpumpe gibt, um mit dem Wasser das Hochbeet zu gießen, muss dann auch den Wasserkörper zusätzlich erden (also mit dem Erdungsleiter einer Steckdose verbinden). Im schlimmsten Fall, wenn die Isolierung der Pumpe schadhaft wird, muss der Fehlerstrom abfließen können (und die wasserdichte Folie verhindert das immer), ansonsten tötet der Fehlerstrom den ersten, der ins stromführende Wasser greift (fahrlässige Tötung und Verlust eines lieben Menschen)

Zum Abdecken der umgedrehten (“ am Kopf stehenden“) Kisten benötigt man saugendes Polypropylenvlies (Teichbauervlies oder Dachdeckervlies oder „Geotextil“ vom Wegebau bzw. Baumarkt) mindestens in der gleichen Größe wie die Folie. Das Vlies soll nämlich wie Dochte in den Wasserteich eintauchen und Wasser heraussaugen.

Auf das Vlies gibt man letztendlich 25-50 cm hoch „Substrat“. Zusammen mit der Höhe der Kisten ergibt das leider nicht die ca. 80cm Höhe des Hochbeets. Also muss man vorher den Unterteil des Hochbeets mit irgendwas füllen. Mit weiteren Ebenen Getränkekisten oder Billigerde oder Styroporabfällen in Säcken, Sägespänen, Ziegelbruch in Plastiksäcken oder man baut dem „Teich“ einen Lattenrost und gibt ein Regal darunter oder einen Regenwasserspeicher oder was auch immer.

Bei mir waren die Hochbeete im Garten seit 30 Jahren schon gefüllt, ich musste nur etwa 50cm Füllung herausholen, dann die Folie hineinlegen und die Bierkisten. Die „Grieskircher Bier“- Brauerei, von der ich die Kisten holte, ging ein paar Tage später in Konkurs. Kein Wunder bei solchen Kunden, die nur leere Kisten kaufen…

Mein Substrat besteht aus zwei Schichten. Für die untere Schicht (15 der gesamt 30 Zentimeter) nahm ich ein Gemisch aus 90% Perlit (Wärmedämm-Material aus dem Baumarkt) und 10% Ziegelmehl (von einer Deponie), eine Substratmischung aus der Hydroponik. Darauf dann 10 cm hoch Holzkompost (Material, das bei einem verrotten Gehölzschnitthaufen übrigbleibt), gemischt mit Rasenschnitt und darauf 5 cm feinen Kompost. Städter müssen wohl ungedüngte „Gartenfaser“ aus dem Baumarkt oben auf den weißen Perlit drauf tun. Perlit ist sehr leicht (ein Vorteil auf Balkonen), aber er kann fortgeweht oder fortgeschwemmt werden. Die weißen Kügelchen sind zwar inert, aber herumliegend nicht schön . Neuerdings gibt es auch gemahlenen Bimsstein als Winterstreusplitt. Dieses Material wäre auch gut geeignet (wenn der pH-Wert nicht zu sehr alkalisch ist). Durch die Dochtwirkung des Vlieses und die Saugwirkung des Perlites ist die Perlitschicht immer gut feucht und die Pflanzen gedeihen bestens.

Ich gieße die Pflanzen direkt auf den Humus (um wie oben beschrieben mehr frischen Sauerstoff in den Humus zu ziehen und schenke ihnen neue Nährstoffe) und vor einer längeren Abwesenheit ergänze ich den Wasservorrat über das eintauchende Beobachtungsrohr bis zum Höchststand.

Im Winter hatte ich bei meinen 4 Sumpfbeeten noch nie Probleme mit Frostsprengung, man kann aber auch das gespeicherte Wasser vor dem ersten Frost ablassen (Schlauch hinein und nach dem Heberprinzip ausrinnen lassen. Bloß wohin damit am Balkon?)

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