Ein neues TROPENHAUS für den Botanischen Garten Linz

Sofern als Bildunterschrift nicht anderes vermerkt ist, habe ich die Bilder von diesem Blogbeitrag im Botanischen Garten Linz aufgenommen. Die Orchideensammlung, die übers Jahr so nach und nach in Blüte kommt, ist eine wahre Pracht.

…oder die Schmetterlinge…

Als Winterattraktion sind (bis 22. Februar 2026) auch tropische Schmetterlinge zu bewundern.

In den Anzuchthäusern, die etwa die Hälfte der Glashäuser ausmachen, werden die Pflanzen herangezogen und hochgepäppelt und erst zur Blüte in die Schauhäuser übersiedelt. Außerdem werden hier die botanischen Sammlungen beherbergt, beispielsweise mehrere Arten einer Pflanzengattung oder mehrere Zuchtsorten einer Art.

Wie im vorherigen Blogbeitrag schon berichtet, wird der Botanische Garten der Stadt Linz die veralteten Gewächshäuser ersetzen. Vorläufig vorgesehen sind schmucklose Glashäuser wie auf einer holländischen Tomatenplantage.

Architektonisch uninteressant. Sie muten eher wie eine VERWAHRANSTALT für die (durchaus sehenswerte) Pflanzensammlung an als wie ein modernes zeitgemäßesTropenhaus.

Im Erlebnismarketing und im Verkauf gibt es das Motto „Der Köder soll dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“. Übersetzt: Die neuen Gewächshäuser sollten den Besucher:innen gefallen und mehr Leute anlocken, nicht nur die bestehenden Sammlungen archivieren. Man soll „Tradition als Weitergabe des Feuers, nicht als Anbetung der Asche“ sehen (Zitat nach Jean Jaurès).

Doch warum sind die neuen Gewächshäuser ein Thema für mich? Weil ich ein 15m²-Tropenhäuschen im eigenen Garten selbst bauen will und mich deshalb zum neuesten Stand der Technik und Architektur schlau gemacht habe, weil ich (bis zur Pensionierung) als Gartengestalter Erlebnisgärten und Erlebnisparks geplant habe und auch deshalb 16 Tropenhäuser in Botanischen Gärten und Zoos besucht und analysiert habe. Ich habe da Überblick und genug Expertise.

Fur Linz denke ich deshalb an kein solches „Tomatenhaus“ sondern an ein TROPENHAUS mit einem Folienkissendach aus ETFE-Membranen. Die sind letzter Stand der Technik.

( 3 Bilder vom EDEN-Project Cornwall, 2024 )

Aus ETFE (Ethylentetrafluorethylen) werden extrem licht- und UV-durchlässige Folien erzeugt, reißfest, mit langer Haltbarkeit und (anders als ETFE-bedampfte „atmungsaktive“ Funktionskleidung) perfekt recycelbar. Daraus werden rechteckige oder rautenförmige oder mehreckige Pölster (etwa 2m*2m oder größer) hergestellt, rundum luftdicht verschweißt oder mit ständig angeschlossener Luftpumpe. Anfangs als einfache Blasen sind sie mittlerweile fünflagige Konstrukte um eine bessere Wärmedämmung (U-Wert ca. 1,55) zu erreichen. Aufgeblasen sind sie so stabil, dass sie von Menschen begangen werden können.

Die derzeitige Planung in Linz tauscht nur die energetisch veralteten Glashäuser gegen Neue aus.

(die derzeitigen Gewachshäuser, Aufnahme aus Google-Earth)

Sofern ich informiert bin werden auf dem verfügbaren Platz (54m*40m=2.160m²) ein Sukkulentenhaus (192m²+235m² Anzucht und Sammlungen), ein Feuchttropenhaus (448m²+475m² Anzucht und Sammlungen), eine temperierte Eingangshalle (128m²), eine Sonderausstellungshalle (141m²), Umtopfraum und Gänge (64m²) vorgesehen. Bleiben noch üppige 477m² (entsprechend 54 m * 8,8m) für überdachte Lagerflächen außerhalb und für Parkplätze übrig. Die Schauhausfläche wäre somit 192+448m²= 640m²

Wie könnte nun ein Tropenhaus mit ETFE-Dach aussehen?

Nach neuen Forschungen verliert ein Gewächshaus etwa 40% des Wärmeinhalts durch Wärmeabstrahlung, etwa 40% als Verdampfungsenthalpie gebunden im Wasserdampf (der weggelüftet wird oder an kalten Bauteilen kondensiert) und nur etwa 20% durch Wärmeleitung im System „Innenluft ->Hülle->Außenluft oder Erdreich“.

Neue Gewächshauskonzepte propagieren das „Geschlossene Gewächshaus“. Durch Sonnenwärme zu heiß gewordene Luft wird nicht mehr ins Freie geblasen, sondern mittels Wärmepumpen abgekühlt und die Wärme wird für die Nacht oder für den Winter in Wasser gespeichert. Auch das verdunstete Gießwasser wird so rückgewonnen. Das finnische „novarbo-System“ nutzt WASSERVORHÄNGE zur Wärmesammlung (und wäre vielleicht für die feuchte Tropenluft besser?) das deutsche „watergy-System“ nutzt dazu KAMINE am höchsten Punkt (besser fürs Wüstenklima?) oder eine Kombination beider Systeme?

Mein Vorschlag wäre ein rechteckiges Großgewächshaus, unterteilt in einzelne Kammern mit unterschiedlichen Klimazonen, jede Klimazone mit besuchbarem Schauhaus (ca 90m² oder größer) und dem nötigen Anzuchthaus.

Der Querschnitt (in West-Ost-Richtung geschnitten) zeigt einen Baukörper mit Satteldach, wobei der First asymmetrisch aufgesetzt wäre (wenn 1/3 der Fläche Schauhäuser wären und 2/3 Anzuchthäuser, die genaue Aufteilung der Bereiche müssen die Betreiber des Botanischen Gartens festlegen). Bei allen Kammern soll die heiße Luft zum höchsten Punkt steigen, also zum First, dort wird sie gekühlt und rückgeführt oder in die Außenluft geblasen. In den Regenwaldhäusern kühlt und entfeuchtet ein ringförmiger Wasservorhang unterhalb der Kamine die zu heisse Luft (kalte Wassertropfen dienen da als Kondensations-körper, wie bei atmosphärischen Regentropfen in einer Wolke).

Links der Zugang zur 4m breiten Eingangshalle, nahe der Mitte ein 1,5m breiter Verbindungs-gang fürs Personal, der Schauhäuser und Anzuchthäuser trennt (und fürs Personal verbindet).

Das Dach kann nun (in Nord-Süd-Richtung) flach bleiben oder ansteigen. Aufgrund einer Dachneigung kann mehr Sonnenlicht im Winter eingefangen werden, ideal bei 45° Neigung, aber 25° würden auch eine energetische Verbesserung bringen. Allerdings wird dadurch die Nordseite höher, je 10m Länge (in Nord-Süd-Richtung) um rund 4 Meter höher, bei der Gesamtlänge von 54m also rund 22m. So hohe Gewachshäuser braucht niemand (höchstens für chilenischen Riesenbambus).

Eine Lösung wäre, das gesamte Gewächshaus um ein Geschoß in die Tiefe zu setzen, also ein „Erdhausgewächshaus“ zu bauen (ähnlich der bolivianischen „Walipini“) und das Kakteenanzuchthaus am tiefsten Punkt des Schrägdaches anzulegen, denn Jungkakteen brauchen keine große Höhe (aber das Pflegepersonal braucht eine gewisse Mindeststehhöhe). Seitlich entweder senkrechte gläserne Wände oder, ähnlich wie in Graz, das Dach heruntergezogen.

(Gewachshäuser im Botanischen Garten Graz)

An der Nordseite könnte man fürs Erdgeschoß und erste Obergeschoß des Komplexes massive Bauten errichten, für Schulungsräume, Labors oder einen Vortragssaal oder die Personalräume.

Weil man sowieso einen Aufzug benötigt könnte man den Aufzugsturm etwas höher, bauen, mit Aussichtsplattform oben drauf. Von dort gäbe eine schöne Aussicht auf Linz.

Der Verbindungsgang wäre im Erdgeschoß fürs Personal und verbindet (und trennt) Schauhäuser von den Anzuchthäusern. Im Kalthaus (für Berg-Regenwald mit 17°-25°C) führt dann eine Rampe barrierefrei ins erste Obergeschoß, damit die Besucher:innen blühende Tropenbäume auch von oben studieren können (ein sogenannter Baumwipfelpfad) und führt dann (oberhalb des Personalgangs) schräg weiter hinauf zur Orchideen-Ausstellung ins zweite Obergeschoß.

(DANAKIL-Tropenhaus Erfurt, im Gebäude ist auch ein großes Restaurant integriert)

Und was soll da im neuenTropenhaus gezeigt werden?!?

Pflanzen wie am Naturstandort, beispielsweise Kakteen und Sukkulenten „in der Wüste“, samt Kunstfelsen als Blickbegrenzung:

(DANAKIL Wüstenhaus, Erfurt).

Wenn Innenwände nicht gläserne Käfige sind sondern mit Spritzbeton verkleidete Mauern, wirken Kunstfelsen und Aufsitzerpflanzen lebensechter, wie in einer Schlucht. Wasser-gerinne können da hinuntertropfen.

Für die Regenwaldhäuser gäbe es zwei Klimazonen, ein „Kalthaus“ (17-25°C) mit dem feuchten Regenwald der Berghänge, der häufig „Steigungregen“ ausgesetzt ist, und ein Warmhaus (20-28°C) fur Urwaldpflanzen im warmheissen dichten Dschungel. Mit „echtem“ Regen (und Regenschutzdächern für die großen und kleinen Besucher:innen).

mit weichem Waldboden statt Betonboden:

(DANAKIL, Urwaldhaus)

Mit zusätzlichen Baumwipfelpfaden

(Tropenhaus im Haus des Meeres, Wien)

Der Keller unterm tiefer gesetzten Tropenhaus böte sich an, um Aquarien und Paludarien (das sind „Uferterrarien“, ein Mix aus Aquarium und Terrarium) zu zeigen, wo Kinder und Erwachsene in einem gemeinsamen Biotop (auch „Vivarium“ genannt) sowohl die faszinierende Unterwasserwelt als auch Pflanzen und Tiere oberhalb im Terrarium (oder einer Vogelvoliere) erleben können (außerdem werden im Keller kühles Regenwasser vom 2.200m²-Dach und das erwärmte Kondenswasser gespeichert).

(Paludarium im Zoo Salzburg)

(3 Bilder, faszinierende Aquarien im Zoo Karlsruhe). Weil Spiegelungen im Glas das Anschauen stören, sind solche Einrichtungen in einem dunklen Keller am Besten aufgehoben, hell sind dann dort nur die Aquarien oder Paludarien.

(Aquarium im Zoo Salzburg)

Zu Paludarien und Vivarien gibt es Youtuber, die bis zu 6,8 Millionen Follower haben, aber hallo! Ein Österreicher schafft mit dem Thema gerade 16.300 Abonnenten (Link dazu ganz unten). Aber dafür ist heutzutage Interesse da. Das wäre am Puls der Zeit. „Fahr nach Linz, da gibt es was Neues, eine Paludarienshow, musst du gesehen haben, ganz toll!“

(3 Bilder, Paludarien im Zoo Salzburg)

„Aquascaping“ (nach Takashi Amano) wäre auch ein interessantes Thema für den Keller (man braucht ja Abwechslung). Dabei werden in Aquarien Unterwasserlandschaften geschaffen (es gibt dazu sogar eine Weltmeisterschaft!)

In modernen Tropenhäusern werden heutzutage auch Tiere der Tropen gehalten und gezeigt, also Ameisen, Blattschneiderameisen, Maulwürfe, Grillen, Regenwürmer, Frösche, Fische, Fledermäuse, (Körnerfresser-)Vögel, usw.

(Wüstenameisen im DANAKIL Wüstenhaus)

(Blattschneiderameisen wandern in den Glasröhren von Terrarium zu Terrarium, hier im Haus des Meeres, Wien, Gesamtlänge der Röhren 100Meter, faszinierend nicht nur für Kinder)

Tropische Fledermäuse im DANAKIL Urwaldhaus, hier hinter Glas oder zwischen den Besuchern sausend im Zoo Karlsruhe:

(begehbare Fledermaus Höhle im Zoo Karlsruhe, es ist dunkler als am Foto, die Fledermäuse fliegen zwischen den großen und kleinen Besuchern und dieses Fledermaushaus ist trotzdem oder deswegen proppevoll Besucher, ein Highlight für Groß und Klein)

(mystisch wabernde Nebel imTropenhaus im Zoo Karlsruhe).

Einmal in der Woche könnten mit längeren Öffnungszeiten nachtblühende Pflanzen, nachtaktive Tiere oder in UV-Licht nachtleuchtende Pilze (!) gezeigt werden.

Pflanzenaufzucht mit Hydroponik oder Wurzelräume mit Fogponicsverneblung oder ein tropischer Duftgarten (mit Kakaoschalen und Duftwolken verströmenden Blüten) für Schmetterlinge wären auch moderne Themen.

Im DANAKIL Wüsten- und Urwaldhaus bekommt man aus Lautsprechern eine Soundkulisse serviert (Windgeräusche im Wüstenhaus, im Urwald pfeifende oder zwitschernde Vögel, Brüllaffen, Zikaden, Plätschern, Wassertropfen).

Zurückgewonnene Wärme könnte in einem Wasserspeicher im Keller unterm Gewächshaus oder in einem „Eisspeicher“ (in den Luftschutzkellern des Berges) aufgehoben werden.

Zur Verringerung der Wärmeabstrahlung gäbe es „Wärmeschirme“ oder Alulamellen unterm Dach, zur Verringerung der Wärmeleitung wärmegedämmte Jalousien und Sockeldämmungen.

Welche Art der Heizung, Wärmerückgewinnung und -speicherung rentiert sich? Welches Recycling- und Heizsystem zur Anwendung kommt muss durch energetische Vergleiche ermttelt werden.

Fernwärmeheizung beispielsweise kostet in Linz (2026, brutto) €81,589 pro MWh (plus jährlich €61,196 pro kW Anschlusswert).

Was würde so ein (größeres) Tropenhaus mit 2.160 m² kosten?

Eine Kostenschätzung einer Fachfirma ergab:

Dach (5lagige ETFE-Kissen, U-Wert ca 1,55) ca €910.000,- innenliegendes Stahl-Tragwerk ca. €1.200.000,-, Deckenklappen für 10 Kammern ca.€320.000,-, 2.000m² Keller (einer Kellerfirma) ca. 2 Mio. Also rund 4,4 Mio…

…plus senkrechte gläserne Außenwände, Innenwände mit Spritzbeton und Kunstfelsen, Hochgang, Aufzugsanlage, Bodendämmung, Energieschirme, wasserdichte Regenwasserbecken, Technik,…

plus eventuell massive Geschoße für Personalräume, Vortragssaal, Garderoben, Labors, Aussichtsturm,…

7 Millionen waren im Budgetvoranschlag 2025. Sollen die für 640m² Tomatenhäuser verbraten werden oder soll Linz ums gleiche Geld ein besseres größeres Tropenhaus samt Vivarienwelt bekommen?!?! Wie überzeugt man die Stadtväter? Bitte dazu Rückmeldungen und Diskussionsbeiträge hier gaaanz unten.

Weil auch viel Müll eingetragen wird muss ich Beiträge erst freischalten. Wer aber als Benutzer:in einmal freigeschaltet ist, dessen/deren Beiträge erscheinen dann sofort.

Links und Hinweise:

Pachi Aquarium“ aus St.Pölten macht am eigenen YouTube Channel einen Video-Blog zu Bau und Einrichtung von Paludarien und Aquarien (16.300 Abonnenten).

„liquidnature“ aus Wien blogt auf Youtube zu Aquascaping (Unterwasserlandschaften) mit knapp 36.600 Abonnenten.

„AntsCanada“ betreibt den sehr erfolgreichen (englischsprachigen) Youtube-Kanal zu Vivarien mit 6,8 Millionen Followern. Derzeit gibt es dort noch die weltbesten Vivarien zu sehen (denn die Vivarienwelt Linz wurde noch nicht eröffnet).

Ein interessanter Bericht von Österreichern über die Aquascaping-Weltmeisterschaft.

Ein Bericht auf YouTube über 29 Aquarien im Botanischen Garten Wroclaw (Polen, früheres Breslau in Niederschlesien), in denen Wasserpflanzen aus aller Welt präsentiert werden.

2 Replies to “Ein neues TROPENHAUS für den Botanischen Garten Linz”

  1. Vielen Dank für die wie immer spannende Zusammenschau! Ich bin auf das Projekt des eigenen Tropenhauses sehr gespannt und hoffe den Werdegang hier miterleben zu können!
    Zum Linzer Tropenhaus kann ich nicht viel sagen, mir gefällt der Vorschlag nicht so schlecht, aber wie du gut aufzeigt, gibt es deutlich kreativere Umsetzungsmöglichleiten!

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