Neue Gewächshäuser in den Botanischen Gärten von Graz und Linz

Die Stadt Linz will die veralteten Gewächshäuser im Botanischen Garten durch Neue ersetzen. So stellt sich die stadteigene „Immobilien Linz GmbH“ die neuen Gewächshäuser vor:

Ja mei. Wie Tomatenhäuser im sogenannten „Venlo-Stil“ aus den Niederlanden. Einfach -praktisch – hässlich . Kommen bei weitem nicht an die ähnlichen Glashäuser des „Princess of Wales Conservatory“ (POW) in London heran. Leider.

( siehe dazu das Bild des Princess of Wales Conservatory bei Wikimedia, Foto von DAVID ILIFF. Lizenz:  https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/ )

7 Millionen Euro waren ab 2024 für die Sanierung vorgesehen, inklusive neuem Kassahäuschen (das Bestehende schaut doch gar nicht so kaputt aus?), einem Wintergarten fürs Caféhaus (in dem aber im Winter die frostempfindlichen Kübelpflanzen stehen sollen) und besseren Personalräumen.

7 Millionen, die zwar veranschlagt sind, aber 2025 im Stadtsäckel fehlten. Also wurde erst mal gespart. Aufgrund der wirtschaftlichen Parameter und der beengten Platzverhältnisse eignet sich der klassische Glashausbereich nicht für die Aufnahme in den geplanten Architekt*innenwettbewerb steht im amtlichen Bericht des Kontrollamts der Stadt Linz. Die „beengten Platzverhältnisse“ sind rund 56m mal 40m, also 2.240m². Mehr als aktuell im „DANAKIL Wüsten- und Urwaldhaus“ in Erfurt (2.070m²).

Kann man vielleicht nicht ganz vergleichen. In Erfurt sind es eben 2.070m² „Showfläche“, in Linz nur etwa die Hälfte der 2.240m² (also ungefähr 1.120m² oder ein bisschen mehr). Die andere Hälfte ist nämlich für Anzuchten reserviert. Da werden Pflanzen in schmucklosen Reihen langwierig bis zum Blühen aufgepäppelt und erst dann als Showelement in den Dschungel des Schauhauses gestellt. Aber auch diese Anzucht erfolgt in einem Gewächshaus. So gerechnet werden eben 2.240m² große „Glashäuser“ benötigt, die auch der Architekt mitplanen könnte.

„Wirtschaftliche Parameter“? Als ob Architekten keine wirtschaftlichen Gewachshäuser planen könnten/wollten? Abgesehen von internationalen Projekten von Architekten (DANAKIL Erfurt, EDEN PROJECT Cornwall, WISLEY London, etc.) gäbe es als österreichische Beispiele den EXPO Cultural Park Greenhouse Garden Shanghai (von DMMA, 2024, als Null-Energie-Glashaus) und den Tropenhaus-Zubau des „Haus des Meeres“ Wien (von Arch. Wilhelm Holzbauer, 2020, mit kleinerer Grundfläche als für Linz vorgesehen ist, aber wegen der Mehrstöckigkeit sind es 3.000m² Nutzfläche). Und die (seit 1995) „Neuen Gewächshäuser“ des Botanischen Gartens Graz (Arch. Volker Giencke) mit 1.500 m². Zum Null-Energie-Glashaus von Shanghai muss man allerdings erwähnen, dass Shanghai auf etwa derselben Geographischen Nördlichen Breite liegt wie Jerusalem. Die müssen wahrscheinlich mehr kühlen als heizen.

Ich habe zwar schon rund 15 Tropen- und Gewächshäuser nah und fern besucht, aber die architektonisch interessanten und imposanten „parabolischen“ Gewächshäuser in Graz noch nicht. Neben dem Wochenmarkt (mit seltenen Birnen- und Apfelsorten und allerlei Gemüse und Gebäck) am Franz-Josef-Platz also ein weiterer Grund wieder einmal Graz anzusteuern (per Zug, 5 Stunden Reisezeit, doppelt so viel als mit dem Auto)

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Interessante Bauform, aus Zweischeiben-Plexiglas und mit Heizungsrohren als Teil der inneren tragenden Struktur.

Über einen Windfang mit zwei Paar gebogenen automatischen Schiebetüren als Wärmeschleuse kann man die Häuser betreten.

Beginnen wir unsere Tour im Kalthaus:

Es sind Gewachshäuser einer Universität, dementsprechend schauen sie aus. Anscheinend ist zuwenig Geld für die Pflege übrig und der Eintritt ist (deshalb?) frei. Sie sollen ja nur Studenten und zukünftigen Lehrer:innen als Anschauung dienen, wie tropische Bäume und Sträucher aussehen. So beispielsweise

Die Beschilderung der Pflanzen (fürs gemeine Volk) könnte auch besser sein und lässt sich mit einem einzigen Bild beschreiben und zusammenfassen. Diesem:

Nicht ganz g’scheit angebracht, und bitte auch den Tafeltext lesen. Hängt das schon seit 1995 so dort?

Weiter im Kalthaus:

Na wenigstens versöhnt die Architektur (hier sind auch die Heizungsrohre als Teil des Tragwerks gut erkennbar)

Das Baumdschungelgewirr lässt sich auch von einem Baumwipfelpfad, quasi im ersten Stock, bewundern.

Bloß den Pfad erreichen Rollstuhlfahrer:innen* und Kinderwagenschieber:innen nur über einen zentralen Aufzug, ein Schwachpunkt im ganzen Konzept. Und nebenbei gibt es am Weg auch Einzelstufen und unpassende Türen. Barrierefreiheit war 1995 anscheinend noch kein Thema.

Das Sukkulentenhaus gefällt mir auch nicht so richtig.

Alles brav im einheitlichen Kakteensubstrat. Schauen wir, ob es im „Temperierthaus“ schöner wird:

Wohin führen diese Panzertüren? Die rechte Panzertür führt zum „Arboretum“, also direkt ins Freie (hätt‘ ich eigentlich an der Fluchttüre-Türschnalle erkennen können), die linke Tür führt in die feuchtwarme Tropenwelt.

Wenigstens erfährt man beim (interessanten) Text was Neues.

Im feuchttropischen Urwaldhaus gibt es auch den leisen Sound von einem Wassergerinne:

…und einen eigenwilligen Seerosenteich:

Zwar etwa unstrukturiert, aber so ist Dschungel eben

Na zum Glück kann man heutzutage per Smartphone im Internet nachschauen, warum diese Bäume so merkwürdig heißen (der Spiegelei-Baum, weil die schönen Blüten aussen weiß und innen gelb sind, der Knopfseifenbeerbaum, weil man ihn zum Wäschewaschen und für Knöpfe nutzte und den Regenbaum, weil man darunter keinen Schutz findet oder auch nicht.

Nur der Trivialname „Abfalleimerbaum“ dürfte aus dem modernen Graz stammen, den kennt das Internet nur aus Graz.

Das Freilandareal muss ich mir im Sommer anschauen kommen.

Interessant auch dieses „Mooshaus“:

Das unter Denkmalschutz stehende „Alte Gewächshaus“ wartet auch wieder, mit Leben gefüllt zu werden. Seine Rettung war bei Drucklegung der Infotafel trotz Denkmalschutz „noch nicht gesichert“. Es wurde doch renoviert und beherbergt derzeit nur einen Vortragssaal und Arbeitsraum und ein paar Kübelpflanzen zur Überwinterung.

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Speziell hier die Infotafeln als Tapetenersatz und Schmuckelemente in drei Metern Höhe. No, besser als der Brutalismus der Sichtbetonwand, könnte man sagen

Der Botanische Garten in Linz bräuchte auch ein architektonisches Gewächshaus, als neues Highlight von Linz und speziell weil er tollere Pflanzen mit schönerer Gestaltung als Graz zu bieten hat!

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