Auf der Fahrt nach Berlin machten wir einen Halt in Erfurt. Ich wollte unbedingt das 2023 eröffnete Danakil-Tropenhaus besichtigen. Es ist zweigeteilt, 1.250m²sind für Wüstenpflanzen reserviert und 820m² für Dschungel, also gesamt 2.070m². Gewaltig.

Es wurde anlässlich der Bundesgartenschau 2023 errichtet. Der Ega-Park selbst wurde bereits 1961 als Internationale Gartenschau in der DDR eröffnet. Erfurt war damals Zentrum des Gartenbaus, der Pflanzenzüchtung und Samengewinnung („Erfurter Samen“).
Den Park habe ich schon zweimal besucht, ich halte ihn für Deutschlands schönsten Gartenpark, vergleichbar vielleicht mit den Gärten Trautmannsdorff in Meran (I), oder RHS Wisley Gardens (GB).

Also zur Hauptblütezeit auf alle Fälle einen Besuch wert. Jetzt im November reizte mich eben nur das Tropenhaus




Dieses Danakil-Tropenhaus (kurz „das Danakil“) ist nach der Danakil-Wüste benannt, die in Ostafrika im Gebiet Somalia/Äthiopien liegt und auch viele aktive Vulkane und heiße bunte Mineralsalzquellen (in Dallol !) birgt. Eine sonnendurchglühte unwirtliche, bis zu 70°C heiße, trockene, aber interessante Weitgegend, mit extremer Armut der nomadischen Bevölkerung.
Die in Erfurt zur Schau gestellte Steinwüste wird durch Felsimitate in Räume unterteilt.

Man betritt die Ausstellung durch einen magisch-mystischen engen Canyon:

DasWüstenklima und die Anpassung der Pflanzen wird mit informativen Texten erklärt.


Mit den prägnanten Wänden und der sich aufdrängenden Deckenkonstruktion treten aber die Pflanzen irgendwie in den Hintergrund. Zuviel Architektur? Mei, so a schönes Glashaus!





Schön inszeniert. Man kann Wüste erleben.






Hier und im Dschungelhaus wirken die Pflanzen aber doch etwas „drapiert“.


…also im Wüstengarten die übliche einheitliche Kakteensandmischung mit einigen Steinen gleicher „Korngröße“ (hier 80/160 mm) quasi überzuckert, das schaut (für mich) unecht aus. Soll Kakteen wie am Naturstandort zeigen und tut es nicht. Da gehören Steine unterschiedlicher Körnung verwendet, sogenannter Wandschotter, wie er herausgebaggert wird.
Und im Dschungel viele Einzelpflanzen gleicher Größe mit Einheitssubstrat zugeschleimt. Unkraut, Unterwuchs oder tropische Moose fehlen. Da gehören ein paar „Samenpackl“ von tropischen Pflanzen ausgestreut (ja so was gibt es auch).
„Suderei auf hohem Niveau“, wie man so sagt. Aber wenn quasi Naturnähe kopiert werden soll, dann bitte richtig. Und kaum sieht man den „Fehler“, erkennt man ihn hinter jeder Ecke.
Aber es ist schon uberwältigend. Da wurden im Dschungelhaus weiche Wege hügelauf hügelab mäandernd perfekt inszeniert, tote Stämme von Würgfeigen mit echten Lianen umschlungen und Bananenpflanzen üppig wie in einer Plantage gesetzt. Wirklich ein Erlebnis.
Sound aus Lautsprechern (im Wüstenhaus mit Windgeräuschen, im Dschungelhaus Vogelzwitschern und -pfeifen) toll lebensecht. Du schließt die Augen und glaubst wirklich im Urwald zu sein.
Ventilatoren blasen Wind und bewegen Blätter.
Schöne Wasserfälle. Ob es im Regenwald wirklich regnet haben wir aber nicht erlebt, vielleicht, weil wir nur knapp eine Stunde vor Schluss Zeit hätten. Das Licht würde uns zwar nicht abgedreht, dafür die Bildungscomputer. „Der Baumarkt schließt in 15 Minuten“.
Tiere gibt es ein paar im Wüstenhaus (Erdmännchen, Chamäleon, Wildmeerschweinchen, tropische Fledermäuse, u.a.m.)



…und interaktive Bildschirme, beispielsweise verschiebbare Projektionen, bei denen man Zusatzinformationen antippen kann. Szenerie anschauen bei Tag, bei Nacht, bei Regen, wenn Fledermäuse Kaktusnektar zuzeln…



Hier ein schwenkbarer (!) Bildschirm der die Szenerie zeigt und per Fingertippen Infos zu den Pflanzen anzeigt.

Im „Urwaldhaus“ Terrarien mit Blattschneiderameisen und ihren Bauten:


(Der blaue Fleck am Glas war ein wunderschöner tropischer Schmetterling, der schnell vorbei flatterte, zu schnell für die lange Belichtungszeit)






Naturlich gibt es auch einen Baumwipfelpfad, um die Tropenbäume und Bananenstauden auch von oben erleben zu können:


(der Weg war in Wirklichkeit nicht rot sondern dunkelbraun, da hat mir die Smartphone-Kamera oder eine Wärmelampe einen Streich gespielt.)
Leider gehen die Schiebetüren nur in eine Richtung auf, man kann vom Dschungel nicht zurück ins Kakteenhaus. Besucherlenkung eben, wie kommen wir sonst da hin? Nächstes Mal.

Zurück in der Frostkälte. Schöner Kinderspielplatz im Freigelände, hier mit Wasserbahnen. Klaro, war ja Bundesgartenschau.

Wir hätten noch eine Stunde in der Kälte auf eine winterliche Lichtshow warten können (mit extra Eintritt), stürzten uns aber lieber in den Trubel des Erfurter Weihnachtsmarktes um heimische Spezialitäten (Thüringer Bratwurst oder Kartoffelklöße) zu verkosten.

…mit Lichtshow beim Riesenrad und Glühmet (Glüh-Met statt Glühwein).

Service:

Genial, danke für den wie immer tollen Bericht und Fotos! Das kommt auf die Togo🇹🇬-, also die to-go-Liste!