
Weil der Eingang des Botanischen Gartens nicht beschrieben ist, startete ich im Universitatsgelände.


Es scheint ein Brauch zu sein, dass sich die Absolventenjahrgänge auf der Straße verewigen:




DAS ist leider nur die Zufahrt zum Botanischen Garten für Personal, da durfte ich nicht hinein. Der echte Eingang ist in der Nordwestecke und ziemlich unscheinbar. Völlig unspektakulär, man muss einen Klingelknopf suchen und erst finden, um überhaupt Einlass zu bekommen. Sozusagen „Das Einzige was stört ist der Kunde“ (Titel eines sehr guten Buches über Marketing und Verkauf).
Im Areal gibt es zwar Infotafeln für allfällige Besucher und bunte Blumenbeete (die über botanische Sortierung hinausgehen), aber während meiner Abwesenheit fiel mir in dem doch sehr großen Areal nur eine Besucherin, mit Kinderwagen, auf. Besucher scheinen nicht gerade willkommen zu sein.


Falls sich jemand dorthin verirrt, nach dem Eingang soll man sich eher links halten, rechts sind eher uninteressante Fluren. Ich ging rechts:




Es ließ sich doch etwas Interessantes finden: Freilandsukkulenten, Opuntien und so und dieser Kaktusriese:

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Ein Highlight sind Wasserbecken, an deren Rand Moospolster mit „fleischfressenden Pflanzen“, hier Sarracenien, gepflanzt sind:


Dieser merkwürdige Bach liefert Frischwasser für die Becken:

Mit den gewinkelten Stahlplatten wurde anscheinend entweder undichter Beton abgedeckt oder die Regensammelfläche vergrößert, damit die Becken mehr Zulauf erhalten als verdunstet (für Schwimmteiche gilt nâmlich in Mitteleuropa die Regel, dass mehr Wasser verdunstet als die Fläche Regenwasser sammelt und Schwimmteiche deshalb immer nachgefüllt werden müssen). So wahrscheinlich auch hier.

Lotos (hinten rechts) scheint hier winterhart zu sein (oder wird im Glashaus überwintert).
Interessant ist ein Garten für Blinde. Die Infotafeln weisen auf der Rückseite Gravuren in Braille- Blindenschrift auf.


Es wurden Duftpflanzen und solche mit ertastbaren Texturen gepflanzt ( beispielsweise flauschiger Ziest -Stachys und stachelige Föhren). Bei den Wegen sind Abzweigungen erfühlbar.

…aber die Wege schon etwas in die Jahre gekommen, mit Stolperfallen (auch für Sehende):

Die verwendeten Betonpalisaden sind entweder ineinander greifende Systemelemente oder bepflanzbare Röhren:

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Auch Wegbeläge andernorts warten auf eine Sanierung:

So steile Treppen ohne Handlauf werden auch nicht mehr gebaut:

…und manche Wege erscheinen wie Notwege, gerade damit man bei Regenwetter nicht im Matsch versinkt:

Fruher hat man sich schon Mühe mit der Pflasterung gemacht:

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Ein nachträglich gebauter Hilfsausstieg für die durstige Tierwelt (die ansonsten bei einem solchen Ufer es nicht mehr herausschafft und ertrinkt):

Interessant auch das Gewachshaus (ebenfalls schwer zu finden und im Plan nicht verzeichnet):

Die Wegführung wirkt technisch kühl und pflegeleicht. Dadurch werden die Pflanzen noch mehr Schauobjekte wie Tiere im Zoo.

Auch hier ein merkwürdiges metallenes Bachbett:





Ein interessantes Vivarium, halb Aquarium, halb Pflanzenwelt.

Leider ist der Stehraum davor mit Topfpflanzen verstellt und somit „zugemüllt“. Eine Betreuerin fütterte die Fische und stellte dann demonstrativ die weißblühende Pflanze so hin, dass der vorher betretbare Weg versperrt wurde. Merkwürdig.

Es werden aber doch Besucher:innen* erwartet. Am Tischchen steht eine Schachtel mit Orchideenschnittgut zur freien Entnahme.



Also dieser Botanische Garten begeisterte mich nicht gerade. An einer Hand abzählbare Blumenbeete erfreuen zumindest das Auge.



