Eindrücke von Olmütz und Brünn (CZ)

Bevor ich über die Gärten von Brünn berichte, noch ein Querschnitt über meine sonstigen Eindrücke von den zwei Städten.

In Olmütz durfte ich im Goldenen Klimt-Zimmer der historischen „Villa Primavesi“ übernachten.

…und durchwanderte die schöne Altstadt…

In Brünn besuchte ich auch das aufwändig gestaltete „Museum der Roma-Kultur“…

Darin ist u.a. ein faszinierender Raum wie ein Kaleidoskop, mit verspiegelten Wänden, Boden und Decke.

…und die Kunstgalerie in Museum für Angewandte Kunst…

Reicher Bankier heiratet schöne Schauspielerin und beide werden Kunstmäzene (und Besitzer der „Wiener Werkstätten“):

Aus dem Handout in deutscher Sprache (der Hausführer für Touristen): Das Paar ließ sich ein „Kunstliebhaberhaus“ bauen (ein Projekt der Darmstädter Architektur Ausstellung 1900). „Das Haus als Kunstwerk, das dem Besitzer dazu dient, andere Kunstwerke zu sammeln“.

Die Villa wird 1927 verkauft (weil das illustre Paar nach Wien zieht) und wird zum Sanatorium für Kinder mit Kinderlähmung umgebaut, das Mobiliar geht verloren und die Villa verkommt im Kommunismus. Schliesslich wird sie doch restauriert.

Im Erkerzimmer konnte ich für 2 Nächte (für €173,-, ortsüblich) schlafen, über die Wendeltreppe im Turm kam ich hinauf. Der rote Salon mit zwei goldenen Klimtbildern auf Leinwand (Reproduktionen) gehörte dazu.

Mit dieser schönen Frau habe ich das Zimmer geteilt:

Ins Speisezimmer gelangte ich nur bei der Hausführung:

Gab es damals schon die Dusche? Mit Badheizkörper? In irgendeinem französischen Schloss habe ich ähnliches Uraltes gesehen. War das in Blois?

In Brünn habe ich ähnliche Villen besichtigt. Die Villa Arnold und die Villa Tugendhat. Beide Besitzer waren Juden und wurden in Konzentrationslagern ermordet. Auch hier ging das Mobiliar verloren.

Hier die Villa Arnold, die eine interessante Ausstellung zum Judentum in Mähren beherbergt:

Daneben die modernere Villa Tugendhat, vom damaligen Stararchitekten Ludwig Mies van der Rohe realisiert:

Doch eigentlich war ich wegen der zwei Botanischen Gärten nach Brünn gekommen.

Wer nach Olmütz reist, muss auch Olmützer Quargel essen. Am Besten, laut Aussage eines „Quasi-Eingeborenen“, paniert und gebacken wie sonst Camembert. In einem dafür von ihm empfohlenen Lokal wird mir aber gebackener Emmentaler statt Quargel aufgetischt. Also pilgerte ich ins berühmteste „Quargelbergwerk“ von Olmütz, genauer in dessen Filiale in Brünn, um Original Olmützer Quargel zuhause zu brutzeln.

Und dann (in Brünn) ins nahe „Museum der Roma-Kultur“:

.

Durch Drehen der Kurbel konnte man das Gerät starten und Texte horchen

Das Museum ist ein faszinierendes Sammelsurium zur Kultur und Geschichte der Roma.

Aus dem Handout: Die Einwanderung aus Kleinasien führte zu den Bezeichnungen „Zigeuner“ (aus dem altgriechischen „Acingánoj“  für alle Ketzer aus Kleinasien), aus dem griechischen „Gifti“ (Ägypter) entwickelte sich das spanische „Gitanos“ und das englische „Gypsies“, und so entstanden auch das slowakische „Farahúni“ oder das ungarische „fáráo népe“ (Pharaos Volk).

Im „Kaleidoskop-Raum“, der die mystische Aura symbolisieren soll, die die Roma umgab

…und durch diesen Gang weiter …

Das Museum wirkt (aus Platzmangel?) mit Exponaten überladen aber sehr informativ.

Im Nationalsozialismus wollte man die „minderwertige Rasse“ der Roma wissenschaftlich beweisen. Bewiesen wurde bloß über Sprachähnlichkeiten mit Hindi und anderen Sprachvarietäten, dass die Roma ursprünglich aus Indien kamen.

Das Roma-Kultur-Museum war ursprünglich eine private Initiative, wurde aber vom Staat übernommen.

Das fahrende Volk verdiente Geld als Kesselschmiede, Messerschleifer, Musiker, Gaukler, lasen die Zukunft aus der Hand, u.v.a.m.

Apropos fahrende Leut‘. Heutzutage fährt man anders:

Per Zufall marschierte ich an einem „Beinhaus“ unterhalb einer Kirche vorbei…

In Olmütz und Brünn gibt es interessante Fassadenmalereien:

Was halten die mittelalterlichen Gestalten da in ihren Händen?!? …

… Auflösung: Einen Handy-Stick und eine Glühbirne. 😁

„Stolpersteine“ Holocaust-Mahnmale am Pflaster vor den Gebäuden, wo diese Menschen gelebt, geliebt und gefeiert haben…

Ich sah öfter Kindergartenkinder in knallgelben Warnumhängen zu öffentlichen Spielplätzen in den Park gehen:

Zumindest ich bekam vom Marschieren Durst …

…den man in Tschechien traditionell auch im Stehen löscht. Da stehen dann die Durstigen um Stehtische herum und palavern….

…oder man trinkt das tschechische Kultgetränk aus früheren Zeiten, einheimisches Cola (säuerlich, mit Muskatnuss-Geschmack)

Intetessant auch das Science-Center (leider alle Beschreibungen der Exponate nur auf tschechisch):

Was tut sich da?

Eine Fußballmannschaft beim Trainieren:

Faszinierend war auch die Design-Ausstellung „Made by Fire“ (Glas, Porzellan) im Museum für Angewandte Kunst

Hier der Versuch die schiere Vielzahl an gesammelten Design-Exponaten bestmöglich zu präsentieren…

(eine kreative Installation, bei der eine „Tontauben-Wurfmaschine“ in regelmäßigen Zeitabständen Porzellanteller gegen eine Wand schleudert)

In der Bar bereitet ein Roboter den ausgewählten Kaffee (Glas unterstellen, Knopfdruck auf die Kaffeemaschine, aufs Tablett stellen …) samt Glas Wasser und Cookie (Keks).

Denn „Kafe“ oder „Kofi“ wird auch in Tschechien gerne getrunken und verkauft.

2 Replies to “Eindrücke von Olmütz und Brünn (CZ)”

  1. Lieber Günther, vielen Dank für die tollen Eindrücke. Da muss ich bald wieder hinfahren. Lieben Gruß, deine Schwester

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert