Im privaten Vorzeigegarten von Arthur und Helga Wiesmet in Sulzbach-Rosenberg, nahe Nürnberg (D).
Eigentlich fuhr ich zur „stone-tech-Messe“ nach Nürnberg, die alle zwei Jahre veranstaltet wird, um das Neueste der Natursteinverarbeitung zu erfahren.Und so nebenbei besuchte ich interessante Gärten in Nürnberg und Umgebung.

Ein Garten, der mir empfohlen wurde ist der vom Ehepaar Wiesmet. Frau Wiesmet verwies mich bei der telefonischen Kontaktaufnahme auf ihren Gatten, der spät von einer Motorradtour heimkommen würde.
Arthur Wiesmet war im Brotberuf „Kreisfachberater für Gartenbau“. Also jemand der bei einem Landkreis angestellt ist (ein Kreis ist vergleichbar mit einem österreichischen „Bezirk“) und dabei Gemeinden, Vereine und Privatpersonen berät, bei Themen zur Planung, Bepflanzung und Pflege von Grünanlagen. Privat entwickelte er sich zum Fachmann für Gräser, Hostas = Funkien und Sukkulenten, Sammler von Felsen und Altwaren (denen er zu einem zweiten „“Leben“ bzw. zu neuer Geltung in seinem Garten verhilft).

Begabt ist er auch als Hobbyschlosser und Metallbauer und bringt eine besondere Gabe mit, er hat angeblich einen besonderen Blick. Keinen bösen Blick, sondern einen besonders Guten.Einerseits für verwertbare Altwaren und in einer Gesamtmenge könne er, nach seiner Aussage, die Ausnahme bzw. das Besondere mit einem schnellen Blick erkennen. Etwa dass in seiner großen Sammlung an Töpfen mit Hostas ein Topf fehlt (was ja nicht so schwer ist, wenn ein gehegtes Schätzchen plötzlich nicht mehr da ist)

… oder er fand , am Motorrad vorbeifahrend, das einzige gefüllt blühende Leberblümchen in einer riesigem Menge normal blühender Leberblümchen. Die Mär von dieser einmaligen Gabe muss ich erst einmal glauben bis ich Zeugen gefunden habe. Als „Savant“ [Idiot mit Inselbegabung] erscheint er mir nicht, im Gegenteil, ein heller Kopf, aber vielleicht hat er den ollen Ösi einfach nur angeflunkert? Ist er auf gut wienerisch ein „Schmähtandler“? Zeugen gesucht (in den Kommentaren!)

Schönes Kramuri haben die beiden gesammelt (oder nur er?).

Die Sukkulentensammlung wurde auf das Dach des Schuppens verlagert:

Die ausgestellten blauen Töpfe erinnern (mich) an den Jardin Majorelle in Marrakech, wurden aber nicht in Anlehnung an ihn drapiert, halt einfach, weil sie schöne zueinander passende Emaillierung oder Glasur haben (das Farbpigment Thenards Blau oder Kobaltblau hat eine schöne kräftige Reinheit so wie etwa das gelbe Zinkchromat und wurde wegen der Feuerfestigkeit als „Smalte“ gerne und frühzeitig für Glasuren verwendet und in speziellen Blaufarbenwerken hergestellt).

Die Leidenschaft für Hostas sieht man dem Garten an. Hostas ausgepflanzt, ältere große Horste, Hostas in Töpfen. Arthur Wiesmet behandelt die Hostas wie Wüstenpflanzen, die Topfpflanzen gießt er vielleicht alle 4 Wochen.



Wie so viele für den Schatten geeignete Pflanzen sind sie aber typische Unterholzpflanzen in lichten gemäßigt-kaltfeuchten Wäldern des südostasiatischen Raums.Viele Arten und Sorten stammen aus Japan und wurden dort in der Gartenkultur genutzt. Ihre Pflegeleichtigkeit machte sie in vielen Gärten beliebt, allerdings sind sie auch bei Schnecken begehrt.


Hostas als Obsession, zur Abwechslung sind aber auch dekorative Gräser gesetzt.


Türkenbundlilien säen sich selbst wieder aus. Wiesmet sieht sie als Unkraut.




Der Vorgarten wirkt etwas hostaärmer,…


…der Hintergarten ist eher das Hostareich.


Immer wenn irgendwo Felsbrocken und Findlinge ausgegraben wurden ließ Arthur Wiesmet sie in seinen Garten bringen und verbuddelte sie nach japanischer Methode.Arthur Wiesmet bewegte die Felsen mit Hebelkraft und altert sie, indem er kleinbleibende Miniatur-Hosta-Sorten in Spalten setzt oder breite Steine sonstwie bepflanzt.

„Ishi gumi“ bezeichnet die spezielle Art von Steinsetzungen in der Japanischen Gartenkunst, bei der Felsen besonders drapiert werden, etwa Buddha und seine zwei Begleiter symbolisierend (sanzon-ishi-gumi), Miniaturlandschaften, eine Insel in der Brandung, in einer Bucht wartende Schiffe (mit geharktem Kies in Trockengärten), entschleunigende Wegplatten oder als ob der Felsklotz schon seit Jahrhunderten hier oder im Bachbett ruht. Mindestens 1/3 muss so ein Fels in der Erde sein, damit der Stein „sitzt“ und nicht etwa gar wackelt wenn man sich anlehnt oder bloß der Eindruck entstehen könnte, dass er wegrollen könnte (die Aufsitzfläche darf ja nicht kleiner sein als der Durchmesser wie bei einfach abgelegten Rundlingen). Schleifspuren (einer Baggerschaufel) oder gar Betonreste müssen mit Bemoosung gealtert werden. Wenn man in einem Japanischen Garten einen zwei Meter hohen Felsklotz sieht, ist mindestens ein Drittel im Boden versteckt.






Wirklich ein spezieller Garten.
















